rohton - !I|Verfasst von Wound am 5. Februar 2009 - 22:31 |
Diese erste, veröffentlichte Zusammenstellung von rohton-Aufnahmen mit dem Titel "!I¦" (gesprochen "rohton 1") stammt aus der Zeit kurz vor der dreistündigen Performance im Ludwigforum Aachen im Sommer 2006. Die Stücke stammen aus den Sessions "Über den Dächern Bielefelds", "Küchenkrach" und aus Proberaumaufnahmen. Die elf Stücke ohne besondere Namen sind allesamt authentische, ungeschnittene Stereo-Aufnahmen und transportieren die düstere, manchmal aggressive, oft melancholische Stimmung der vor allem durch kontinuierliche Improvisation geprägten Spielweise, die sich im Verlaufe des ersten Jahres des gemeinsamen Wirkens entwickelt hatte. Sämtliche Arrangements ergeben sich aus der spontanen Interaktion der sieben bis acht Beteiligten.
Der Sound ist geprägt durch wabernde Synthesizerflächen, pochende Sequenzen, eingestreute Tonaufnahmen, Perkussion auf Metall und Gebrauchsgegenständen, zersplitterndem Glas, bröselig verzerrten Bässen und Stimmspuren, sowie bis in die Selbstoszillation getriebenen Filterketten. Könnte man diese organischen Sounds mit den Fingern berühren, fühlte man sich vermutlich im Wechsel über rostiges Metall, Sand, Wasser und zersplittertes Holz streichen. Hörer mit Hifi-Anspruch werden hier nicht glücklich. Enthusiasten mit Eintauchbedürfnis erleben jedoch möglicherweise eine Gänsehaut nach der anderen. Zum direkten Nachempfinden empfehle ich Track 11, das Arrangement, mit dem rohton schließlich das LuFo-Konzert begannen.
Die CD diente zunächst nur als Demo, bis die Band feststellte, sie selbst regelmäßig wie ein Album komplett zu lauschen. Somit bekam der Silberling die gebührende Wertschätzung in Form eines in aufwendiger Handarbeit gefertigten Covers aus Wellpappe und mattschwarzem Lack, das den Tonträger mit drei schmalen Papierstreifen in der Hülle versiegelt. Der frische Besitzer muss seine CD-Hülle also ein wenig zerstören, bevor er in den Genuß des Hörens kommen kann und gibt in Form des chaotischen Risses dem Cover persönlich eine individuelle Eigenheit.
Ein stückweit findet sich darin die Unwiederholbarkeit der selben Soundstruktur bei rohton Sessions wieder, der lebendige, organische Charakter. Später wurden auch Hüllen mit dünner Pappe hergestellt, die aber ebenso über die drei feinen Papierstreifen verfügen.
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